Eine Expatsbremse für Zug
Der Kanton Zug ist ein Erfolgsmodell. Hohe Lebensqualität, viele spannende und gut bezahlte Arbeitsplätze, tiefe Steuern und eine funktionierende Verwaltung – all das zieht seit Jahren internationale Fachkräfte an. Doch was einst als Bereicherung begann, droht mittlerweile zum sozialen Problem zu werden. Denn der Zuzug von sogenannten Expats hat Ausmasse angenommen, die das Gesicht unseres Kantons verändern – und nicht zum Besseren.
Die Wohnungsnot ist längst Realität. Wer als Zugerin oder Zuger heute eine Wohnung sucht, hat es schwer. Das Angebot an verfügbaren Mietwohnungen ist so knapp, dass selbst Menschen mit gutem Einkommen kaum mehr etwas Passendes finden. Immer mehr Einheimische sehen sich gezwungen, den Kanton zu verlassen.
Doch der Preis ist nicht nur finanzieller Natur. Zug verliert Stück für Stück seine Seele. Wo früher Nachbarn einander kannten, Grüezi sagten und gemeinsam das Dorffest feierten, herrscht heute Anonymität. Viele, die hier zuziehen, kommen gar nie richtig an. Dabei war genau das immer die Stärke unseres Kantons: Dass man sich kennt und einander hilft. Wer ohnehin nach ein paar Jahren weiterzieht, hat wenig Anreiz zur Integration.
Natürlich, eine gewisse internationale Durchmischung ist bereichernd. Aber das Mass ist überschritten. Integration funktioniert nur, wenn sie in einem Rahmen bleibt, den die lokale Gesellschaft verkraften kann. Es ist daher an der Zeit, eine Expatsbremse einzuführen. Eine Abgabe, ähnlich einer Kurtaxe, würde von Personen erhoben, die nur temporär im Kanton Zug leben und arbeiten. Die Abgabe würde also auf jene entfallen, die hier zwar finanziell profitieren, aber kaum zur Gemeinschaft beitragen. Gemäss Einschätzungen von Fachleuten könnte diese Abgabe bei rund 5’000 Franken pro Person und Jahr liegen. Dies würde den Zuzug bremsen, ohne dass es starre Regeln wie Kontingente oder ein Punktesystem braucht.
Die Einnahmen aus dieser Abgabe sollen direkt den Zugerinnen und Zugern in Form eines Mietzuschusses zugutekommen. Der Kanton Zug kennt bereits heute das bewährte System der Subjektförderung im Wohnungswesen, welche Beiträge zur Verbilligung der Mietzinsen ermöglicht. Mit den zusätzlichen Einnahmen könnte dieses gezielt ausgebaut und gestärkt werden. Es entsteht ein Ausgleich, ohne dass der Staat in den Wohnungsmarkt eingreift. Das ist nicht nur gerecht, sondern stärkt auch die Akzeptanz für Expats.
Wer hier lebt, soll sich auch als Teil von Zug verstehen – und nicht bloss als Gast im Steuerparadies leben. Eine Expatsbremse würde dazu beitragen, dass weniger Zugerinnen und Zuger den Kanton verlassen müssen und wieder mehr in ihre Heimat zurückkehren können. So würden wieder Menschen hier leben, die langfristig denken, sich engagieren und Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Zug braucht mehr Heimat statt Hotelmentalität. Denn Wohlstand allein macht keinen Kanton lebenswert – es ist das Gefühl, zusammenzugehören, das uns ausmacht.
Gian Brun
Ehemaliger Präsident der Jungfreisinnigen Zug

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